Lackieren ohne Limit

Vollautomatisierte PVC-Unterbodenapplikation mit 100 % störkonturfreiem Applikationsbereich.
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Bei Magna Steyr in Graz wurden innerhalb von drei Jahren sechs neue Modelle von vier OEMs in die Multi-OEM-Lackieranlage integriert. Das Spektrum reicht vom klassischen Geländewagen über Limousine bis hin zu Cabrio und Coupé in verschiedenen Substraten und Voll-Elektro-Varianten. Die Lackiererei hat eine Kapazität von 32,5 Fahrzeugen pro Stunde, die Jahreskapazität liegt je nach Schichtmodell bei 165.000 bis 190.000 Fahrzeugen. Seit jeher musste die Lackiererei von Magna Steyr hochflexibel sein, um neue Modelle verschiedener Kunden schnell und ohne große Eingriffe in den Produktionsfluss integrieren zu können. So wurden unter anderem bereits die Mini-Modelle Countryman und Paceman zusammen mit Peugeot RCZ, Aston Martin Rapide sowie zwei Modelle eines weiteren Premiumherstellers parallel lackiert. Die aktuelle Produktpalette stellte die Anlage jedoch vor neue Herausforderungen. In nahezu allen Prozessschritten der Lackiererei erfordern neuen Produktgenerationen mehr oder weniger intensive Anpassungen, die nur durch eine durchgängige Umsetzung der Strategie "So viel wie möglich gemeinsam, so viel wie nötig getrennt – spezifische Anforderungen werden mit maßgeschneiderten Prozessen gelöst" in Anlagentechnik, Technologie und Material und vor allem bei den Mitarbeitern möglich ist:

  1. Anlagentechnik: Bei Integration von Neuanlagen wie auch bei Anlagenmodifikationen stehen eine kurze Integrationszeit mit geringen Integrationskosten (Flexibilität), ein wirtschaftlich sinnvoller Automatisierungsgrad sowie Nachhaltigkeit im Fokus.
  2. Technologie und Material: Wesentlich für die Multi-OEM-Fähigkeit ist eine Materialstrategie, die den Anforderungen aller OEMs genügt. Zusätzlich muss ein Auftragsfertiger als früher Folger zu jeder Zeit neue Technologien beherrschen und einsetzen können, wenn der OEM diese zu einem Standard erhebt.
  3. Mitarbeiter: Hier liegt der Fokus in der Qualifizierung der Mitarbeiter auf die unterschiedlichen Anforderungen der Produkte und auf das Training der entsprechend notwendigen Fähigkeiten.

Beispiel: Integration eines neuen Premium-SUV

Mit der kompletten Neuentwicklung eines seit 1979 bei Magna Steyr in Graz solitär gefertigten Premium-SUV wurde es beispielsweise notwendig, die Anlagentechnik ohne Auswirkung auf das weiterhin gebaute, bisherige Modell anzupassen. Herausfordernd hinzu kam der weiterhin sehr hohe Premium-Qualitätslevel, einhergehend mit einer großen Variantenvielfalt (Mattlack, Farbvielfalt, Sondermodelle). Alle Prozesse basieren auf bereits implementierten Lösungen für aktuelle und frühere Produkte dieses OEMs und wurden nur wenn notwendig entsprechend angepasst. In der Anlagentechnik ist die Integration der rahmenlosen Karosserie in das Unterbodenschutzgehänge umgesetzt, das durch Installation zusätzlicher Dachaufnahmen weiterhin einen 100 Prozent freien Unterboden zur optimalen Applikation ermöglicht. Das bereits vierdimensional verstellbare Gehänge kann somit mit der Dachaufnahme um eine weitere Dimension erweitert werden. Hinsichtlich Technologie und Material ist eine Lösung für Mattlackierung in hohen Produktionsvolumen implementiert; zur Absicherung des ausgeprägten Abdichtkonzepts mit einer großen Anzahl an Lackstopfen ist eine vollautomatische Stopfenkontrolle mittels Kamerasystem installiert. Bezüglich Mitarbeiter steht bei diesem Modell das Training auf den hohen Qualitätsstandard und der Produktunterschiede der beiden Varianten im Vordergrund. Ein zusätzlicher Vorteil ist die perfektionierte Mattlackierung, die nun auch für andere Kunden in der Lackiererei Magna Steyr zur Verfügung steht.

Der komplette Beitrag ist in der Mai/Juni-Ausgabe von JOT erschienen.

Autor(en): Dipl. -Ing. Philipp Rucker, Magna Steyr Fahrzeugtechnik

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