Neues Lackierzentrum für eine auftragsbezogene Produktion

Die Vorbehandlung mit versenkten Becken und darüber fahrendem Waschtunnel.
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Auftragsbezogen, nicht sortenrein – so lautete der Wunsch des thüringischen Lohnbeschichters Industrielackierung Biedermann GmbH (ILB) für die Vorbehandlungstechnik, die neben einer neuen Pulverbeschichtungs- und Nasslackieranlage für die neue Halle am Standort Unterwellenborn geplant war. Das bedeutete für Geschäftsführer Bernd Biedermann vor allem eines: Nicht weiter Chargen von Bauteilen aus demselben Substrat zu sammeln, sondern die jeweils geeignete Chemie zu fahren und Aufträge aufeinanderfolgend abarbeiten zu können. Ziel des Unternehmens war es dabei, die Aufträge besser zu steuern, Flaschenhälse zu vermeiden und den Kunden verbindlichere Liefertermine benennen zu können. Zweimal musste Biedermann bereits die Produktionsfläche in Unterwellenborn erweitern – allein 2015 um 1000 Quadratmeter – und baute 2016/17 einen neuen Verwaltungskomplex sowie 2017/18 eine 2700 Quadratmeter große Produktionshalle. Und genau hier sollte das geplante Lackierzentrum einziehen. "Normalerweise wollen die Kunden entweder eine Pulverbeschichtung oder Nasslackierung – wir können beides", betont Juniorchef Stefan Biedermann. "Uns ist es dabei sehr wichtig, flexibel zu arbeiten, da wir üblicherweise keine Massenware beschichten." Deshalb fiel die Entscheidung für eine JumboCoat-Anlage von Meeh recht schnell. Das JumboCoat-System basiert auf einem modularen Konzept mit manuellen und automatischen Anlagenkomponenten, die als einzelne Boxen platzsparend nebeneinander gereiht werden. Bei ILB umfasst die Anlage einen kombinierten Haftwassertrockner und Einbrennofen sowie eine manuelle Beschichtungskabine. Vor den Anlagenmodulen befindet sich ein Aufgabe-/Abnahmeplatz, der mit einer Hub- und Senkstation ausgerüstet ist. Die Verbindung zwischen den einzelnen Anlagenteilen bildet eine Querfahrbühne, die mit zwei  Fahrstationen mit je drei Schienen ausgestattet ist, die für den Quertransport vor die Kabinen elektrisch und für den Transport in die Kabinen manuell bedient werden.

Schnelle Wechsel von Entfetten auf Beizen oder Zinkphosphatieren

Als Vorbehandlung überzeugte die Thüringer Lackspezialisten auf Anhieb die Kammerwaschanlage, Typ Atlas, von Wieland, die Meeh als Generalunternehmer in das Gesamtkonzept integriert hat. Bei der Waschanlage handelt es sich um eine große, verfahrbare Kabine, die sich oberhalb der Prozesschemiebecken auf Schienen mittels Zahnstangenantrieben nach rechts und links bewegt und dabei jeweils auf die Chemie zurückgreift, die für die zu behandelnden Bauteile in der Kabine optimal abgestimmt ist. Durch die Mobilität der Kabine sind sehr schnelle Wechsel von alkalischer Entfettung über die Trikationenzinkphosphatierung bis hin zu einer chromfreien Aluminiumpassivierung möglich. Dafür sind in der Systemsteuerung entsprechende Programme hinterlegt, die sich über einen Touchscreen einfach auswählen lassen. "Durch die freie Auswahl der Prozessabfolgen und Parameter wird eine optimale Programmsteuerung ermöglicht", erklärt Wieland-Geschäftsführer Michael Meeh. Bei Bedarf lässt sich die Technik sogar um weitere Becken erweitern. Eine vollautomatische Zudosierung der Chemikalien sorgt dafür, dass die Qualität in den einzelnen Bädern konstant bleibt. "Die neue Vorbehandlung ist das Herzstück unserer Technik", erklärt Biedermann zufrieden.

 

Fertig für Industrie 4.0

Die komplette Lackiertechnik ist über eine Schnittstelle direkt an die ILB-Datenbank angebunden – inklusive der vollständigen Prozessdaten wie pH-Wert und Temperatur. Sämtliche Auftragsdaten sind digital hinterlegt. Das erleichtert einerseits die Fehlersuche, andererseits wird die Beschichtung damit vollständig dokumentiert. Diese Daten dienen mitunter als Qualitätsnachweis gegenüber den Kunden, was vor allem in der Automobilindustrie zum Tragen kommt. Durch die zentrale Datenerfassung ist die Anlage Industrie-4.0-ready, die Daten lassen sich weiterverwenden und beispielsweise für das Energiemanagement oder die Verdampfertechnologie nutzen.

Der komplette Beitrag ist in der April-Ausgabe von JOT erschienen.

 

Autor(en): ILB Industrielackierung Biedermann GmbH, Meeh Pulverbeschichtungs- und Staubfilteranlagen GmbH, Wieland Anlagen- und Apparatebau GmbH

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