Auf dem Weg zu einer chrom(VI)freien Produktion

Dr. Markus Dahlhaus, Geschäftsführer BIA
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Der kommende Wechsel von Chrom(VI)- auf Chrom(III)-Prozesse infolge von REACh stellt für die Galvanikbranche eine große Herausforderung dar. Auch der Zulieferer BIA rüstet sich für die Zukunft und erhöht seine Chrom(III)-Kapazitäten an den deutschen Standorten. JOT sprach mit Geschäftsführer Dr. Markus Dahlhaus über die geplanten Veränderungen.

Herr Dahlhaus, An Ihren Standorten in China, Mexiko und der Slowakei bieten Sie schon länger die Möglichkeit, dreiwertig zu verchromen. Was gab den Ausschlag, die Anlagen nun auch an den deutschen Standorten Forst und Solingen umzurüsten?
Die Möglichkeit dreiwertig zu verchromen hatten wir in Solingen bereits 2007. Allerdings ist dies dann mehr oder weniger am Markt gescheitert, da in Deutschland die Nachfrage zu gering war. In der Slowakei gab es bislang eigentlich nur Nachfrage von französischen Automobilherstellern, doch das Interesse ist mittlerweile auch bei den deutschen Herstellern gewachsen. Diese wollen wir gerne aus Solingen heraus bedienen, wofür wir eine neue Anlage benötigen. In Forst sollte sowieso ein Umbau stattfinden, um die Kapazitäten zu erweitern. Diese Situation haben wir genutzt und hier direkt eine chrom(III)-fähige Anlage integriert

Wie stehen ihre Kunden zu dem Wechsel von Chrom(VI) auf Chrom (III)?
Die Automobilhersteller erwarten Bauteile mit einer hohen Lebensdauer und sind hier sehr vorsichtig, wenn keine eigenen Erfahrungen vorliegen. Daher muss man unheimlich viel Vertrauen in den deutschen Markt rüberbringen, bevor das Ganze funktionieren kann. Wir müssen zeigen, dass Chrom(III) eine sichere Technologie ist und wir hier in Europa mit Chrom(III) genauso gut sind wie unsere Wettbewerber im nichteuropäischen Ausland. Man muss im Hinterkopf behalten, dass die verchromten Oberflächen als solche nicht von REACh betroffen sind, sondern nur der Rohstoff. Das heißt, die Möglichkeit sich eine verchromte Oberfläche aus dem nichteuropäischen Ausland einzukaufen, ist für Automobilhersteller immer noch gegeben.

In welchen Fällen stößt Chrom(III) im Vergleich zu Chrom(VI) bislang an seine Grenzen?
Die Farbe ist hier nach wie vor ein Thema. Chrom(III) wird nie dieses kalte, metallische Blau von einem sechswertigen Chrom erzeugen. Es gibt Verfahren, die jetzt mehr in diese Richtung gehen, aber diese sind noch nicht allgemein verfügbar im Markt. Auch wird Chrom(III) nie so günstig sein wie Chrom(VI), da die Chemikalien einfach teurer sind. Zudem scheidet Chrom(III) in der Regel etwas dünnere Schichten ab als Chrom(VI). Wie sich das auf die Lebensdauer eines Fahrzeugs auswirkt, lässt sich noch nicht sagen. Doch wir rüsten seit 2014 in der Slowakei französische Fahrzeuge mit Chrom(III)-Oberfläche aus und haben bisher noch keine Rückläufer aus dem Feld gesehen.

Sind die Zeiten von Chrom(VI) also vorbei?
Für uns ist Chrom(VI) ein abklingendes Thema. Wenn wir Chrom(VI) jedoch wirklich aus dem Prozess eliminieren wollen, müssen wir das auch konsequent bei der Vorbehandlung umsetzen. Nur so lässt sich die Chrom(VI)-Reduktion komplett aus der Abwasseranlage rausnehmen. Auch die Abluftanlagen würden dann praktisch ohne Chrom(VI)-Reinigungsstufen auskommen. Das ist jedoch keine Aufgabe, die ein einzelnes Unternehmen alleine lösen kann, sondern nur die Branche gemeinsam. Aus diesem Grund arbeiten wir sehr eng mit dem Fachverband galvanisierte Kunststoffe (FGK) zusammen. Die Unternehmen versuchen alle ihren Beitrag zu leisten, indem sie entweder Technikums-Anlagen zur Verfügung stellen oder sowie wir versuchen, Anlagen umzurüsten und die Ergebnisse dann zusammenzuführen. Gleichzeitig wollen wir auch die Europäische Kommission in Brüssel davon überzeugen, dass die optimistische Einschätzung, man könne innerhalb von vier oder sieben Jahren Chrom(VI) ersetzen, lediglich eine Illusion ist.

Das komplette Interview lesen Sie in der Mai/Juni-Ausgabe von JOT. 

Autor(en): Wi

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